Wohnungsnot

Wohnungsnot macht erfinderisch: Wie aus Parkhäusern Wohnungen werden

Sie sind groß, selten ansehnlich und werden immer weniger gebraucht: Parkhäuser in deutschen Innenstädten sind ein Auslaufmodell. Gleichzeitig fehlt es dort, wo sie stehen, an bezahlbarem Wohnraum. Wäre es da nicht möglich, ungenutzte Stellplätze in dringend benötigte Wohnungen umzubauen? Schwäbisch Hall-Expertin Kathrin Milich zeigt, welches Zukunftspotenzial in der Umgestaltung der urbanen Infrastruktur steckt.

Dass man inzwischen überhaupt darüber nachdenkt, sich von Parkhausmonolithen zu trennen, die so viele deutsche Innenstädte prägen, liegt an verschiedenen Faktoren: In den 1960er und 70er Jahren, als die meisten dieser Bauwerke entstanden, galt die autogerechte Stadt als stadtplanerisches Ideal. Hier ist längst ein radikaler Paradigmenwechsel im Gange, an dessen Ende die Vision einer (weitgehend) autofreien Innenstadt steht. Ein verbesserter öffentlicher Nahverkehr und Angebote wie Carsharing machen das eigene Auto für Städter künftig zunehmend unnötig.

Tatsächlich sind die Parkriesen der Moderne heute vielfach überdimensioniert. Wer jemals samstags einen Parkplatz in der City gesucht hat, wird vermutlich einen ganz anderen Eindruck haben, aber dennoch: Laut Bundesverband Parken liegt die Auslastung der Parkhäuser nur bei etwa 50 bis 60 Prozent. Die überwiegende Mehrheit dieser Megagaragen liegt in innerstädtischen Toplagen, genau dort, wo erschwingliche Wohnungen für die vielen Singles und jungen Familien fehlen, die dem Lockruf der Ballungszentren und deren attraktiven Arbeitsplätzen, Kultur- und Freizeitangeboten folgen. Höchste Zeit also, über eine Umwidmung nachzudenken.

Hunderte Garagen zum Weiterdenken
Genau dies hat im Jahr 2012 die Akademie der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen getan und versucht, in einem großangelegten Workshop alternative Möglichkeiten für die monofunktionalen Betonkolosse auszuloten. Bundesweit kämen laut Kammerpräsidentin Brigitte Holz mehrere hundert Parkhäuser für eine Umnutzung zu Wohnzwecken in Frage. Dabei gehe es nicht zwangsläufig um eine Radikallösung: Wo dies sinnvoll sei, könne ein Teil der Parkplätze durchaus erhalten bleiben.

Wie etwa bei einem vielbeachteten Pilotprojekt in Köln, dem Umbau des Parkhauses „Am Friesenplatz“. Dessen Betreiber wollte sich aus wirtschaftlichen Gründen von 200 der 450 Stellplätze trennen. Zwei Immobilienfirmen entwickelten gemeinsam das Projekt Magnus 31. Nach einer fast fünfjährigen Planungs-, Wettbewerbs- und Genehmigungsphase wurden 2014 die beiden
oberen Parketagen abgetragen und um drei Wohngeschosse mit insgesamt 31 Eigentumswohnungen ergänzt, zu denen jeweils eigene Parkplätze gehören. Die schrittweise Verwandlung des ehemaligen Parkhauses lässt sich auf YouTube nachvollziehen.

Vom Betonklotz zum Hingucker
Für die Außenansicht des neuen Hybridkomplexes wurde ein eigener Fassadenwettbewerb ausgeschrieben. Heute ist das Gebäude mit perforiertem, metallischen Aluminium fugenlos
verkleidet. Und siehe da: Wo lange ein unansehnlicher Betonklotz stand, hat das Stadtbild jetzteinen – je nach Lichteinfall und Schattenwurf in unterschiedlichen Farben schimmernden – neuen
Hingucker.

Und es gibt noch weitere Projekte dieser Art: In Münster wurde ein sechsstöckiges Parkhaus unter Beibehaltung der Stahlbetonstruktur komplett in ein Wohn- und Geschäftshaus umgewandelt. Im Parterre und dem ersten Obergeschoss wurden Gewerbe- und Ausstellungsflächen geschaffen, in den oberen Etagen sind zahlreiche Wohnungen rund um ein begrüntes Atrium angeordnet. Im
Hannoveraner Projekt „Wohnkrone“ wurde das Dach eines Parkhauses mit zwölf Penthouse- Wohnungen aufgestockt.

Noch sind dies Einzelprojekte mit Vorzeigecharakter. Doch könnte daraus durchaus ein Trend werden. An Ideen für die Umnutzung von Parkhäusern oder Verwaltungsgebäuden mangelt es
jedenfalls nicht. Sie reichen von Konzepten, komplette Einfamilienhäuser mit Vorgärten in die Parkhäuser hineinzubauen, bis zu vorgefertigten Modulen, mit denen kleine, preiswerte
Wohneinheiten, etwa für Studenten, realisiert werden können. Apropos Realisierung: Damit derartige Umnutzungsprojekte umgesetzt werden können, müssen die Kommunen in der Regel ihre
Nutzungs- und Bebauungspläne ändern – ein bürokratischer Prozess, der sich hinziehen kann. „Die Vorteile solcher Umnutzungsprojekte liegen auf der Hand: Es können vorhandene, aber bisher
nicht optimal genutzte Strukturen verwendet werden, ohne neue Flächen zu versiegeln. So wird das meist knappe Wohnraumangebot in den Innenstädten um innovative Lösungen erweitert“, zieht Immobilienexpertin Milich ein erstes Fazit: „Wohnungsnot macht offenbar erfinderisch.“

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