STEUERRECHTSÄNDERUNGEN 2019

Wie in jedem Jahr, werden sich auch 2019 wieder zahlreiche Rechengrößen im Steuer- und Sozialversicherungsrecht ändern. Familien dürfen sich über etwas mehr Kindergeld freuen. Bei Erwachsenen werden erst ab einem zu versteuern-den Einkommen von mehr als 9.168 Euro im Jahr Einkommensteuern fällig. Un-ternehmer müssen sich auf neue Regeln im Online-Handel und beim Verkauf von Gutscheinen einstellen. Besonderen Wert legt der Gesetzgeber im kommenden Jahr auf einen umweltfreundlichen Arbeitsweg und fördert elektrische Dienstwa-gen, Diensträder und das Jobticket.

Hinweis: Einige Gesetzgebungsver-fahren werden erst zum Jahresende abgeschlossen sein, deshalb können sich bei einigen Punkten noch Ände-rungen ergeben. Unser BdSt-Service-Material wird daher stetig aktuali-siert.

Allgemeine Änderungen

Abgabefristen für Steuererklärungen – Mehr Zeit für die Steuererklärung: Für die Einkommensteuererklärung, die das Jahr 2018 zum Inhalt hat, gibt es zwei Monate mehr Zeit. Das heißt, die Steuererklärung für das Jahr 2018 muss bis spätestens am 31. Juli 2019 beim Finanzamt eintreffen. Bisher galt der 31. Mai als Stichtag. Wird die Er-klärung mit Hilfe eines Beraters ein-gereicht, verlängert sich die Frist ebenfalls um zwei Monate, also bis zum 28. Februar 2020.

Altersvorsorgeaufwendungen – höhere Vorsorgeaufwendungen abziehbar:

Vorsorgeaufwendungen für das Alter können steuerlich besser abgesetzt werden. Dazu gehören z. B. die Bei-träge zur gesetzlichen Rentenversi-cherung oder zu den berufsständi-schen Versorgungswerken. Für die Berücksichtigung der Sonderausgaben gilt ein Höchstbetrag von 24.305 Euro (2018: 23.712 Euro). Maximal können dann im Jahr 2019 88 Prozent (2018: 86 Prozent) abgesetzt werden. Das heißt, Alleinstehende können 21.389 Euro und Ehepaare/eingetragene Le-benspartner 42.778 Euro steuerlich geltend machen. Bei Arbeitnehmern, die in die gesetzliche Rentenversiche-rung einzahlen, wird allerdings der steuerfreie Arbeitgeberanteil von den Vorsorgeaufwendungen abgezogen.

Dienst- und Betriebsrad sind steuer-frei:

Erhält der Arbeitnehmer – zu-sätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn – ein Dienstfahrrad, das er auch privat nutzen darf, baucht der geldwerte Vorteil für die Überlassung in Zukunft nicht mehr versteuert wer-den. Die Regelung gilt für alle Fahrräder und Elektrofahrräder. Ausgenom-men von dieser Begünstigung sind lediglich Elektrofahrräder, die ver-kehrsrechtlich als Kraftfahrzeug ein-geordnet werden (d. h. der Motor un-terstützt eine Geschwindigkeit über 25 km/h). Für diese schnellen Elektro-fahrräder gelten die Vorschriften für Dienstwagen (siehe beim Punkt Elekt-ro-Dienstwagen).
Die Regelung zum Dienstfahrrad gilt auch für Unternehmer. Wird das be-triebliche Fahrrad auch privat ge-nutzt, braucht dies nicht mehr als Pri-vatentnahme versteuert werde.

Hinweis: Abzuwarten bleibt, welchen Nachweis die Finanzverwaltung ver-langt, dass es sich tatsächlich um ein betriebliches Fahrrad des Unterneh-mers handelt.

Die Steuerbefreiung für das Dienstrad ist befristet und gilt vom 1. Januar 2019 bis Ende 2021. Eine Anrechnung auf die Entfernungspauschale erfolgt nicht.

Ehrenamtliche Tätigkeiten in der Schweiz:

Der steuerfreie Übungs-leiterfreibetrag bzw. die Ehrenamts-pauschale wird auch dann gewährt, wenn die ehrenamtliche Tätigkeit für eine juristische Person des öffentli-chen Rechts oder für eine gemeinnüt-zige Organisation erfolgt, die in der Schweiz ansässig ist. Hintergrund ist eine EuGH-Entscheidung, die der Ge-setzgeber nun umsetzt (Rs. C-478/15). Steuerzahler, die beispielsweise eine nebenberufliche Dozententätigkeit für eine gemeinnützige Organisation oder Hochschule in der Schweiz ausüben, können nun auch die Steuerbefrei-ungsvorschrift nutzen. Die Änderung gilt bereits vor dem Jahr 2019 in allen noch offenen Fällen.

Elektro-Dienstwagen und Elektro-fahrräder werden privilegiert:

Bei elektrisch betriebenen Dienstwagen, die auch privat genutzt werden dür-fen, kann die private Nutzung auch weiterhin mit der pauschalen 1%-Methode berechnet werden, aller-dings bezogen auf den halbierten Bruttolistenpreis des Fahrzeugs! Das dürfte Einiges an Steuern sparen. Die Änderung gilt für Elektro- und schad-stoffarme Hybridelektrofahrzeuge, die im Zeitraum vom 1. Januar 2019 bis 31. Dezember 2021 angeschafft oder geleast werden. Bei extern aufladba-ren Hybridfahrzeugen gibt es die Be-günstigung nur, wenn deren Kohlen-dioxidausstoß höchstens 50 Gramm je gefahrenen Kilometer beträgt oder die Reichweite unter ausschließlicher Nutzung des elektrischen Antriebs mindestens 40 Kilometer beträgt (§ 3 Abs. 2 Elektromobilitätsgesetz).

Die Neuregelung erstreckt sich auch auf die Abrechnung von Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb sowie die Familienheimfahrten bei der doppel-ten Haushaltsführung. Für vor oder nach diesem Zeitraum angeschaffte Fahrzeuge bzw. Fahrzeuge, die die Emissionsvoraussetzungen nicht erfül-len, gilt die bisherige Regelung zum Nachteilsausgleich für die E-Fahrzeuge weiter. Neben der pauschalen 1%-Regelung mit halbiertem Brut-tolistenpreis bleibt auch die Fahrten-buchmethode weiterhin möglich. Hier sind dann entsprechend die Leasing-oder Mietkosten bzw. die AfA eben-falls nur zur Hälfte zu berücksichtigen.

Hinweis: Nach dem Ländererlass vom 23. November 2012 und der Geset-zesbegründung zum „JStG 2018“ sind die genannten Vorschriften für Dienstwagen auch bei Elektrofahrrä-dern anzuwenden, die verkehrsrecht-lich als Kraftfahrzeug einzuordnen sind (d. h. der Motor unterstützt Ge-schwindigkeiten über 25 km/h). Da-mit gilt auch bei diesen Elektrofahr-rädern lediglich der halbe Bruttolis-tenneupreis als Bemessungsgrundla-ge für die Besteuerung.

Gesetzlicher Mindestlohn steigt – ggf. Anpassung bei Minijobs erforderlich:

Ab dem 1. Januar 2019 beträgt der gesetzliche Mindestlohn 9,19 Euro (zuvor 8,84 Euro) pro Stunde. Das gilt auch für Minijobber, die zum Beispiel im privaten Haushalt als Haushaltshilfe oder Gärtner tätig sind. Da der Mi-nijobber im Monat maximal 450 Euro verdienen darf, muss eventuell die Arbeitszeit angepasst werden. Ande-renfalls kann durch die Anhebung des Stundenlohns der sozialversicherungs-freie Minijob in Gefahr geraten.

Beispiel: Der Mindestlohn betrug bis-her 8,84 Euro brutto die Stunde, so-dass der Minijobber rund 50 Stunden im Monat arbeiten konnte und die 450 Euro-Grenze eingehalten wurde. Ab dem Jahr 2019 sind es 2 Stunden weniger!

Minijobber, die zum Mindestlohn beschäftigt sind, und ihre Arbeitgeber sollten zum Jahreswechsel unbedingt die monatliche Arbeitszeit überprüfen und eventuell die Stundenanzahl verringern. Andernfalls bringt der höhere Mindestlohn womöglich den Minijobber-Status in Gefahr und es werden ggf. höhere Steuern und Sozialabgaben fällig.

Grundfreibetrag steigt – leichte Änderungen am Einkommensteuertarif:

Der Grundfreibetrag im Einkommensteuergesetz steigt um 168 Euro auf 9.168 Euro. Damit soll das Existenzminimum für Erwachsene steuerfrei gestellt werden. Das heißt, es werden bei einem Ledigen erst ab einem zu versteuernden Einkommen von mehr als 9.168 Euro im Jahr Einkommensteuern fällig. Bei Ehepaaren bzw. eingetragenen Lebenspartnern verdoppelt sich der Betrag auf 18.336 Euro. Zudem werden die Eckwerte des Einkommensteuertarifs leicht angehoben. Damit soll dem Effekt der sogenannten kalten Progression entgegengewirkt werden. Der Spitzensteu-ersatz von 42 Prozent greift daher künftig bei einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 55.961 Euro (2018: 54.950 Euro). Bei einem zu versteuernden Jahreseinkommen ab 265.327 Euro (2018: 260.533 Euro) gilt der sog. Balkonsteuersatz von 45 Prozent. Bei zusammenveranlagten Ehegatten verdoppeln sich die Beträge.

Luftverkehrsteuer sinkt leicht:

Für Flüge wird – je nach Entfernung zum Zielort – Luftverkehrsteuer fällig. Derzeit sind dies pro Flug und Passa-gier für kurze Strecken 7,46 Euro, für mittlere Strecken 23,31 Euro und für Langstrecken 41,97 Euro. Ab 2019 sol-len die Steuersätze jeweils um wenige Cent auf 7,38 Euro, 23,05 und 41,49 Euro pro Passagier und Flug sinken.

BdSt_Steuerrechtsänderungen_2019

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