Kurzzeitpflege

Verhinderungspflege - Ihre Leistungen und Ansprüche

Kurzzeitpflege – Wenn die Pflege zuhause vorübergehend nicht möglich ist

Können Pflegebedürftige vorübergehend nicht zu Hause betreut werden, besteht die Möglichkeit sie für eine kurze Zeit stationär in einer Betreuungseinrichtung unterzubringen. Dies bietet sich zum Beispiel an, wenn pflegende Angehörige Urlaub machen oder die Pflege zuhause zeitweise nicht möglich ist, zum Beispiel weil die pflegende Person selbst erkrankt ist. Häufig ist die Kurzzeitpflege eine große Hilfe, um einen Krankenhausaufenthalt für eine bestimmte Zeit zu überbrücken.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Personen mit Pflegegrad 1 haben keinen Anspruch auf Kurzzeitpflege.
  • Bevor Sie die Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen, stellen Sie einen Antrag bei der Pflegekasse Ihres Angehörigen.
  • Sie haben einen Anspruch in Höhe von 1612 Euro im Jahr, den Sie auf acht Wochen verteilen können.
  • Es bestehen Kombinationsmöglichkeiten von Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege.
  • Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie Investitionskosten können Sie sich von der Pflegekasse über den Entlastungsbetrag erstatten lassen.
  • Das Pflegegeld wird für acht Wochen bis zu 50 Prozent weiter gezahlt.

Antrag bei der Pflegekasse

Der Antrag bei der Pflegekasse muss gestellt werden, bevor Sie die Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen. Die Einrichtung, die eine Kurzzeitpflege übernimmt, muss ausdrücklich von der Pflegekasse zugelassen sein. Die Kassen können Auskunft darüber geben, welche Häuser in Frage kommen und wie hoch die Kosten sind. Denn: Die Pflegekasse übernimmt Kosten für acht Wochen im Jahr; sie zahlt dann bis zu 1.612 Euro. Aber: Mit jedem Jahreswechsel entsteht der Anspruch neu.

Ausweitung der Leistungen möglich

Die Kombinationsmöglichkeiten von Verhinderungs- und Kurzzeitpflege sind sehr flexibel. Sie haben einen Anspruch auf acht Wochen Kurzzeitpflege, die Sie alleine aus den Mitteln der Kurzzeitpflege finanzieren können. Hierfür erhalten Sie Leistungen in Höhe von 1.612 Euro jährlich.

Allerdings können auch weiterhin Mittel aus der Verhinderungspflege in Höhe von 1.612 Euro für die Kurzzeitpflege in Anspruch genommen werden, wenn diese noch nicht verbraucht wurden. Die Pflegekasse übernimmt dann bis zu 3.224 Euro.

Ebenfalls möglich ist eine Verschiebung der Mittel von der Kurzzeitpflege auf die Verhinderungspflege. Generell stehen hier 1.612 Euro zur Verfügung. Von der Kurzzeitpflege kann die Hälfte der 1.612 Euro, also 806 Euro, für die Verhinderungspflege eingesetzt werden. Dann stehen für die Verhinderungspflege höchstens 2.418 Euro zur Verfügung.

Höchstbetrag unabhängig vom Pflegegrad

Der Regelbetrag von jährlich 1.612 Euro gilt unabhängig vom Pflegegrad. Da aber Einrichtungen die Kurzzeitpflege für jeden Pflegegrad unterschiedlich berechnen, schöpft ein Pflegebedürftiger mit Pflegegrad 5 den Höchstbetrag auch schneller aus.

Eigenanteil für Unterkunft und Verpflegung

Die während der Kurzzeitpflege entstehenden Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie die Investitionskosten muss der Pflegebedürftige grundsätzlich selbst tragen.


Gut zu wissen

Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie Investitionskosten können Sie bei der Pflegekasse einreichen und bekommen dann die Kosten unter bestimmten Voraussetzungen (teilweise) erstattet.

Seit dem 1. Januar 2017 hat jeder Pflegebedürftige einen Anspruch auf einen “Entlastungsbetrag” in Höhe von 125 Euro. Dieser Betrag muss nicht jeden Monat genutzt werden, sondern kann angespart werden und zu einem späteren Zeitpunkt abgerufen werden.

Leistungen, die im Jahr 2015 oder 2016 noch nicht abgerufen wurden, können noch bis Ende Jahr 2017 eingesetzt werden. Wenn Pflegebedürftige diese Leistungen noch nicht verbraucht haben, können sie allein für die Jahre 2015 und 2016 bis zu 2.496 Euro angespart haben. Diesen Betrag können sie auch noch jetzt für Kosten aus der Kurzzeitpflege verwenden.

Ebenso können sie Rechnungen aus Kurzzeitpflege in den Jahren 2015 und 2016 jetzt noch bei der Pflegekasse einreichen und bekommen dann die Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie die Investitionskosten (teilweise) erstattet, wenn sie den Entlastungsbetrag noch nicht anderweitig verbraucht haben.


Wer finanziell nicht in der Lage ist, den Eigenanteil selbst zu zahlen, muss einen Antrag beim Sozialamt stellen- dieses springt dann für ihn ein. Sonderwünsche – wie zum Beispiel ein großes Einzelzimmer – müssen hingegen immer aus eigener Tasche bezahlt werden und erhöhen so den Eigenanteil.

Anspruch erst ab Pflegerad 2

Personen im Pflegegrad 1 haben keinen Anspruch auf Kurzzeitpflege. Allerdings besteht für diese Menschen die Möglichkeit, die Kurzzeitpflege mit den Leistungen aus dem Entlastungsbetrag (125 Euro) zu finanzieren. Hierzu müssen vorher Entlastungsleistungen beantragt werden. Anschließend müssen Sie die Rechnungen bei der Pflegekasse einreichen und erhalten die Kosten in Höhe der Entlastungsleistungen von der Pflegekasse ersetzt. Der Begriff Entlastungsbetrag ersetzt seit 2017 den Begriff “zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen”.

  • Personen mit Pflegegrad 1 haben keinen Anspruch auf Kurzzeitpflege.
  • Bevor Sie die Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen, stellen Sie einen Antrag bei der Pflegekasse Ihres Angehörigen.
  • Sie haben einen Anspruch in Höhe von 1612 Euro im Jahr, den Sie auf acht Wochen verteilen können.
  • Es bestehen Kombinationsmöglichkeiten von Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege.
  • Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie Investitionskosten können Sie sich von der Pflegekasse über den Entlastungsbetrag erstatten lassen.
  • Das Pflegegeld wird für acht Wochen bis zu 50 Prozent weiter gezahlt.

Vielen Dank an die Verbraucherzentrale