Konto­über­ziehung: Ärger mit der Bank, was tun?

Wenn ein Kunde in finanzielle Not gerät und längere Zeit sein Konto über­zieht, kommt ihn das besonders teuer zu stehen. Denn für keinen Kredit muss er so hohe Zinsen zahlen wie für den Dispo. Es kann auch sein, dass die Bank den Dispo streicht. Oder sie kündigt einfach das Konto. Auch wer Schulden hat, kann in dem Fall ein Basis­konto eröffnen. Auf Kredit­vermittler, die „unbürokratische Hilfe“ in Notlagen versprechen, ist kein Verlass.

Hohe Zinsen für den Dispo

Über­zieht ein Kunde seinen Dispo, kommt ihn das besonders teuer zu stehen. Finanztest hat über 1 200 Banken und Sparkassen nach ihren Dispozinsen befragt. Ergebnis: Die Zins­sätze liegen im Vergleich zum allgemeinen Nied­rigzins-Niveau immer noch unan­gemessen hoch, zuletzt durch­schnitt­lich bei 9,61 Prozent.

Teuerster Kredit. Grund­sätzlich gilt: Kaum ein Kredit ist so teuer wie der Dispo. Kunden sollten das Konto also niemals für lange Zeit über­ziehen. Bei einem andauernden Minus auf dem Konto sind die Banken mitt­lerweile gesetzlich verpflichtet, Kontakt zu dem Kunden aufzunehmen und ihn über güns­tigere Alternativen zu beraten.

Güns­tigere Alternativen. Um die aufgelaufenen Disposchulden abzu­stottern kommt zum Beispiel ein Raten­kredit in Frage, bei dem Lauf­zeit, Zins und monatliche Rück­zahlrate von vorn­herein fest­stehen. Der Zins­satz liegt hier oft nur bei einem Drittel des Dispozins­satzes. Finanztest hat Ratenkredite verglichen.

Möglich ist auch ein Abruf- oder Rahmenkredit, den der Kunde bei jeder Bank beantragen kann – wenn seine Schufa-Auskunft einwand­frei ist und er ein regel­mäßiges Einkommen hat. Ähnlich wie beim Dispo gewährt die Bank einen Kredit­rahmen, den der Kunde beliebig ausschöpfen kann. Er zahlt nur Zinsen für den tatsäch­lich in Anspruch genom­menen Betrag. Wie beim Dispo kann sich der Zins­satz beim Abruf­kredit aber jeder­zeit ändern. Finanztest hat Abrufkredite verglichen.

 

Dispo gekündigt, Konto gekündigt

Schulden bei der Bank. Die Bank kann den Disporahmen für ein Konto jeder­zeit streichen. Die Kündigungs­frist beträgt 30 Tage. Im Anschluss verrechnet das Geld­institut die Konto­eingänge mit den Disposchulden. Es kann sein, dass dem Kunden nicht genug Geld zum Leben bleibt. Für solche Notlagen gibt es das Basis­konto. Der Kunde kann solch ein Konto bei einer anderen Bank eröffnen und seine Einkünfte darauf umzu­leiten. So behält er die Kontrolle über sein Geld. Die Disposchulden muss er trotzdem zahlen.

Konto gekündigt. Ist der Dispo dauer­haft über­zogen, kommt es zu einer Konto­pfändung oder ist der Kunde über­schuldet, kann die Bank das Konto auch kündigen. Die genauen Umstände sind in den AGBs fest­gehalten. Bei einer ordentlichen Kündigung muss die Bank eine Frist von zwei Monaten einhalten. Eine außer­ordentliche Kündigung kann rascher kommen. Dann muss der Konto­inhaber schnell reagieren.

Ungern bar. Ohne Konto geht heut­zutage gar nichts mehr: Miete, Strom und Heizung oder Kreditraten können sonst nicht über­wiesen werden. Wer vorüber­gehend kein Konto hat, muss unbe­dingt mit dem Vermieter, dem Strom­versorger und dem Tele­kommunikations­anbieter sprechen. In seltenen Fällen ist eine Barzahlung möglich – immer gegen Quittung! Arbeit­geber zahlen das Gehalt ungern in bar aus, das bedeutet Mehr­aufwand.

Basis­konto ist für jeden da

Konto für jedermann. Wer ohne Giro­konto dasteht, kann bei so gut wie jeder Bank, Sparkasse, Volks- und Raiff­eisen­bank ein Basis­konto, auch Bürger­konto, Verbraucher­konto, Guthaben­konto oder Konto für Jedermann genannt, beantragen – auch bei negativem Schufa-Eintrag. Ein Antragsformular gibt es zum Download bei der BaFin. Nötig ist ein Identitäts­nach­weis wie Personal­ausweis oder Pass. Voraus­setzung: Der Antrag­steller darf kein vergleich­bares Konto bei einem anderen Geld­institut haben.

Altes Konto kündigen. Ausnahme: Das bisherige Giro­konto „funk­tioniert“ nicht mehr, weil die betreffende Bank einge­hende Zahlungen mit eigenen Forderungen wie Disposchulden verrechnet. Die Verbraucherzentrale Hamburg rät, das alte Konto zu kündigen und die Kopie des Kündigungs­schreibens bei der Bank, bei der das Basis­konto eröffnet werden soll, vorzuzeigen. Jeder darf nur ein Basis­konto haben. Die Bank hat zehn Geschäfts­tage Zeit, um dieses Konto einzurichten. Dorthin können Gehalt oder Sozial­leistungen über­wiesen werden.

Über­ziehen unmöglich. Das Basis­konto funk­tioniert wie ein Giro­konto. Unterschied: Es kann nicht über­zogen werden. Barauszah­lungen oder Über­weisungen sind nur möglich, wenn genug Guthaben auf dem Konto ist. Einige Banken bieten für das Basis­konto eine Kreditkarte an, in der Regel nur mit Prepaid-Funk­tion.

Lehnt eine Bank die Einrichtung eines Basis­kontos ab, muss sie dem Kunden binnen zehn Geschäfts­tagen schriftlich die Gründe mitteilen. Der Schuldner kann das von der Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (BaFin) über­prüfen lassen, ein Formular dafür gibt es auf der Home­page. Ist die Ablehnung unbe­rechtigt, ordnet die BaFin an, das Konto zu eröffnen.

Auf Gebühren achten. Finanztest hat Basiskonten verglichen. Ihr Nachteil: Für das Basis­konto verlangen viele Banken höhere Konto­führungs­gebühren als für ein normales Giro­konto. Sie dürfen nicht unan­gemessen hoch sein, urteilten Gerichte. Bei einigen Instituten ist das Basis­konto kostenfrei. Ein Basis­konto kann auf Antrag in ein Pfändungsschutzkonto (P-Konto) umge­wandelt werden – wenn der Kunde nicht schon ein P-Konto bei einer anderen Bank hat.

Kündigung möglich. Auch ein Basis­konto kann gekündigt werden, wenn der Kunde seit mehr als drei Monaten keine Konto­führungs­gebühr gezahlt hat und der Rück­stand mehr als 100 Euro beträgt, wenn er das Konto für illegale Zwecke nutzt, oder wenn er in seinem Antrag falsche Angaben gemacht hat.

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Roland Richert

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