Kohlekraftwerke stoßen zu viel Stickoxide aus

Braunkohle-Reserve: Kohlekraftwerk Jänschwalde komplett abschalten

Am 1. Oktober geht der Block F des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde in die Sicherheitsreserve. Klima-Allianz Deutschland und GRÜNE LIGA fordern, das gesamte Kraftwerk Jänschwalde im Zuge des Kohleausstiegs bald abzuschalten und nachhaltige wirtschaftliche Perspektiven für die Lausitz zu schaffen.

„Auch die übrigen Blöcke müssen demnächst vom Netz. Nur so kann die Bundesregierung ihre eigenen und die internationalen Klimaziele erreichen”, sagt Stefanie Langkamp, Kohleexpertin der Klima-Allianz Deutschland. „Wir brauchen einen Fahrplan für den Kohleausstieg und ein umfassendes Strukturwandelpaket, damit in Jänschwalde und an den anderen Kraftwerksstandorten endlich Klarheit herrscht. Nur so kann die Region vorankommen und Zukunftsperspektiven aufbauen.” Das gelte für die Lausitz ebenso wie für die anderen Kohleregionen.

Eine vergütete Sicherheitsreserve wie jetzt bei den Blöcken E und F sei jedoch kein geeignetes Konzept für den weiteren Kohleausstieg. „Steuermillionen gehören nicht in die Taschen der Kraftwerksbetreiber, sondern müssen in die Strukturentwicklung investiert werden“, so Langkamp weiter.

„Ein Weiterbetrieb des Kraftwerkes Jänschwalde bedroht die Zukunft des Dorfes Proschim, wo Menschen seit Jahren in Angst vor einer Zwangsumsiedlung leben müssen”, kritisiert René Schuster von der GRÜNEN LIGA. Der Betreiber LEAG plant weiterhin massive Kohlelieferungen aus dem Tagebau Welzow-Süd nach Jänschwalde.

Die GRÜNE LIGA kritisiert zudem, dass die Brandenburgische Landesregierung der Region keine langfristige Vorbereitung auf die Kraftwerksabschaltung ermöglicht hat. Die brandenburgische Energiepolitik ging lange Zeit selbst davon aus, das gesamte Kraftwerk Jänschwalde um 2020 stillzulegen. Erst mit der Planung neuer Tagebaue versprach die Landesregierung den Beschäftigten einen längeren Betrieb. „Mit dieser Politik hat sie die Lausitz um die Zeit betrogen, sich langfristig auf das Ende des Kraftwerkes vorzubereiten. Ministerpräsident Woidke sollte endlich aufhören, den Lausitzern Sand in die Augen zu streuen“, so Schuster, der seit 1999 Mitglied des Brandenburgischen Braunkohlenausschusses ist.

Teilt man die CO2-Menge gerecht auf, die gemäß dem Pariser Klimaabkommen weltweit noch ausgestoßen werden darf, muss das gesamte Kraftwerk Jänschwalde im Jahr 2019 stillgelegt werden. Das ermittelten Ökoinstitut und Prognos vergangenes Jahr im Auftrag des WWF. Auch bei jedem anderen Ausstiegsszenario wird Jänschwalde als erster Lausitzer Kraftwerksstandort geschlossen. Dennoch hat die Landesregierung bisher jede konkrete Diskussion über die Zukunft des Standortes nach Ende der Braunkohle verweigert.

Hintergrundpapier zum Kraftwerk Jänschwalde:
Die wichtigsten Hintergründe zum Kraftwerk Jänschwalde (inklusive der Themen Fernwärme, Ausbildungsplätze und Gipsindustrie) hat die GRÜNE LIGA in einem Hintergrundpapier zusammengestellt, das hier abrufbar ist:
https://www.kein-tagebau.de/images/180928_hintergrundpapier_kraftwerk_jaenschwalde.pdf

Zitiertes Gutachten:
Öko-Institut/Prognos: Zukunft Stromsystem Kohleausstieg 2035, Januar 2017, zu Kraftwerkslaufzeiten im Transformationszenario, hier abrufbar:
https://zukunft-stromsystem.de/download/ZukunftStromsystem_Kohleausstieg2035_Langfassung_de.pdf

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