Spaghetti im Test: Mehr als die Hälfte enthält Glyphosat

Spaghetti im Test: Mehr als die Hälfte enthält Glyphosat

2. Februar 2021 Aus Von Roland Richert

Spaghetti gehen immer. Doch einige Nudeln in unserem Test haben ein Problem mit Glyphosat. Rückstände stecken in mehr als der Hälfte der Produkte. Außerdem haben von uns beauftragte Labore Mineralölbestandteile und Schimmelpilzgifte gefunden. Acht Spaghetti schneiden aber auch mit Bestnote ab.

  • Acht Spaghetti im Test sind mit „sehr gut“ empfehlenswert.
  • Hochpreisige Markenspaghetti sind nicht grundsätzlich besser als andere – auch nicht im Geschmack.
  • Der Spaghetti-Test zeigt: Es gibt Probleme mit Glyphosat, Mineralölbestandteilen und einem Schimmelpilzgift.

Das ist bitter: Mehr als die Hälfte der 20 Spaghettimarken im Test enthalten Spuren des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hat das Pestizid als wahrscheinlich krebserregend für den Menschen eingestuft.

Die Europäische Chemikalienagentur (Echa) teilt diese Einstufung nicht. Glyphosat könne aber beim Aufbringen auf dem Feld schwere Augenschäden verursachen und sei giftig für Wasserorganismen, so die Einschätzung der Echa.

Spaghetti im Test: Viele Marken enthalten Glyphosat

Was bedeutet das Glyphosat in den Spaghetti nun für die Verbraucherinnen und Verbraucher? Zunächst einmal: Die hier gefundenen sehr geringen Spurengehalte sind nicht akut gefährlich. Wie viel die Menschen, die das Gift auf dem Feld spritzen oder nebenan leben, möglicherweise abbekommen haben, ist jedoch eine andere Frage.

Außerdem gefährdet der verbreitete Einsatz von Glyphosat die biologische Vielfalt. Das Mittel tötet alle Pflanzen ab und zerstört damit auch die Lebensgrundlage für viele Insekten- und Vogelarten – „Totalherbizid“ heißt so ein Mittel im Fachjargon.

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Vier Produkte enthielten neben Glyphosat auch dessen Abbauprodukt AMPA. Es hält sich deutlich länger im Boden, gilt aber als wenig toxisch.

Nicht nur Glyphosat ist Problem im Spaghetti-Test

Jahrelang wird schon über ein Verbot von Glyphosat diskutiert. Die Europäische Union hat die Zulassung 2017 aber noch einmal bis Ende 2022 verlängert. Inklusive Übergangsfrist sind glyphosathaltige Mittel dann noch bis Ende 2023 zugelassen. Ob es tatsächlich zum Verbot kommt, ist offen. Denn eine Gruppe von Unternehmen hat eine Genehmigung über 2022 hinaus beantragt und damit ein neues Überprüfungsverfahren in Gang gesetzt.

Doch Glyphosat ist nicht das einzige Problem, das Spaghetti haben können. Die beauftragten Labore haben in einigen Marken Verunreinigungen mit Mineralöl sowie Belastungen mit einem Schimmelpilzgift nachgewiesen.

Mineralöl in Spaghetti gefunden

In Zahlen bedeutet das: In vier Spaghetti-Packungen im Test kritisieren wir die aus unserer Sicht „leicht erhöhten“ Gehalte an gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH). Sie können sich in den Organen und im Fettgewebe ansammeln. Je weniger Menschen davon aufnehmen, desto besser.

Wie die Mineralölbestandteile in die Spaghetti gekommen sind? Das können wir als Tester nicht mit Sicherheit sagen. Denkbar ist aber beispielsweise ein Eintrag im Herstellungsprozess, etwa über Schmieröle für Maschinen.

Kritik an Schimmelpilzgift in Spaghetti

Das Schimmelpilzgift Deoxynivalenol (DON) beanstanden wir in zwei überprüften Spaghetti-Packungen. Die Gehalte bewerten wir als „erhöht“. Mit einer Portion dieser Nudeln schöpft ein 60 Kilogramm schwerer Mensch die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge bereits zu mehr als der Hälfte aus.

Zur Erklärung: DON wird von einem Pilz gebildet, der die Weizenähren auf dem Feld befällt. Und was ist das Problem damit? DON kann das Immunsystem stören – weniger belastete Spaghetti sind daher die bessere Wahl, zumal Schimmelpilzgifte auch in anderen Getreideprodukten stecken können.

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Glyphosat, Mineralölbestandteile und DON sorgen für Minuspunkte im Spaghetti-Test. Das hat zur Folge, dass zwei Marken durchfallen, ein paar Produkte sind nur mittelmäßig. Allerdings gibt es auch acht Spaghetti, die wir mit Bestnote empfehlen können.

Wie schmecken die Spaghetti im Test?

Ob Marken-, No-Name- oder Bio-Produkt: Die Sensorikexperten waren mit Geschmack und Mundgefühl aller Spaghetti zufrieden. Keine Nudel war nach dem Kochen matschig. Alle waren mehr oder weniger bissfest, also „al dente“.

Die Nudeln schmeckten und rochen meist deutlich nach Grieß und Stärke. Grieß schmeckt etwas herber, Stärke etwas mehliger, beides ist typisch für Spaghetti.

3 Tipps zum Spaghetti kochen

  1. Nudeln sollen sich im Wasser bewegen können. Für 100 Gramm Spaghetti rechnet man einen Liter Wasser.
  2. Kein Öl ins Kochwasser geben. Nudeln nehmen die Soße dadurch schlechter auf. Rühren Sie die Spaghetti lieber mit einer Gabel um und verhindern so ein Zusammenkleben.
  3. Die Bissfertigkeit wird verbessert, wenn Sie Nudeln in sprudelnd kochendes Wasser geben. Danach können Sie die Temperatur herunterschalten und den Deckel auflegen.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Quelle und Bildrechte: Ökotest

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