Cornflakes im Test: Viele mit bedenklichem Schadstoff Acrylamid belastet

Cornflakes im Test: Viele mit bedenklichem Schadstoff Acrylamid belastet

2. Februar 2021 Aus Von Roland Richert

Cornflakes sind sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern beliebt – zum Frühstück oder als Snack zwischendurch. Doch sind sie auch bedenkenlos zu verzehren? Unser Test zeigt: nicht unbedingt. Viele der 50 Frühstücksflocken im Test enthalten Acrylamid – und es gibt weitere Baustellen.

 

  • Nur 15 der 50 Frühstücksflocken im Test schneiden mit Bestnote ab.
  • Mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ fallen 14 Frühstücksflocken durch den Test. Vom Verzehr diesere Produkte raten wir ab.
  • Es gibt Probleme mit Acrylamid, bedenklichen Pestiziden, Belastungen durch Schimmelpilzgifte und hohen Salzgehalten.

Mit knusprigen Cornflakes in den Tag starten? Ja, gern. Aber Acrylamid zum Frühstück? Nein, danke. Der Stoff erhöht möglicherweise das Risiko, an Krebs zu erkranken. Und er steckt in Produkten namhafter Marken. Das zeigt unser Test von 50 Frühstücksflocken. Die Belastungen mit Acrylamid sind der Hauptgrund, weshalb nur 15 Cornflakes mit „sehr gut“ abschneiden.

Weitere Probleme, die bei den Laboruntersuchungen zutage traten, sind Schimmelpilzgifte, hohe Salzgehalte und bedenkliche Pestizide. Von etlichen Produkten raten wir ganz ab.

Cornflakes im Test: Acrylamid als großes Problem

Doch noch mal zurück zum Schadstoff Acrylamid. Acrylamid in Lebensmitteln erhöht laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) potenziell das Krebsrisiko – und das für Verbraucher aller Altersgruppen. In Getreideflocken kann sich der Schadstoff beim heißen Rösten aus Zuckern und der natürlicherweise in Getreide enthaltenen Aminosäure Asparagin bilden.

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In 18 Flakes im Test kritisieren wir die Acrylamidgehalte, in vier Produkten davon sind sie aus unserer Sicht sogar „stark erhöht“. Mit unserer Bewertung orientieren wir uns am EU-Richtwert für Frühstückscerealien „auf Mais-, Hafer-, Dinkel-, Gerste- und Reisbasis“. Verbindliche Höchstmengen hat der Gesetzgeber trotz jahrelanger Diskussion um das Krebsgift immer noch nicht festgelegt.

Grundsätzlich gilt ohnehin: Ein Grenzwert, ab dem Acrylamid gar kein Risiko birgt, lässt sich nach heutigem Wissensstand nicht festlegen. Je weniger Acrylamid ein Mensch aufnimmt, desto besser.

Dass sehr geringe Gehalte möglich sind, zeigen einige Frühstücksflocken im Test. Die Hersteller haben es zum Teil selbst in der Hand, wie viel Acrylamid sich in den Frühstücksflakes bildet. So kommt es beispielsweise darauf an, die ideale Kombination aus Erhitzungstemperatur und -dauer zu finden. Ein weiterer Risikofaktor ist die Zugabe von Zucker vor der Hitzebehandlung.

Mineralöl, Pestizide und Schimmelpilzgifte in Cornflakes

Was ist ansonsten im Cornflakes-Test aufgefallen?

  • In zwei Frühstücksflakes im Test bewerten wir die Gehalte an gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH) als „stark erhöht“. Außerdem waren die problematischeren aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) in den Cornflakes nachweisbar. Zu dieser Stoffgruppe können auch krebserregende Verbindungen gehören.
  • In vier Cornflakes im Test steckten Spuren von bedenklichen Pestiziden. Für Verbraucherinnen und Verbraucher sind die festgestellten Gehalte nicht akut gefährlich. Wir vergeben dennoch Minuspunkte, weil die Verwendung dieser Mittel im Anbau Bienen und generell die Artenvielfalt gefährdet.
  • Vier Frühstücksflocken sind mit Schimmelpilzgiften belastet. Diese können das Immunsystem schwächen. Gefunden haben wir Deoxinivalenol (DON) und T-2-/HT-2-Toxine. Die Pilze, die diese Gifte bilden, befallen das Korn schon auf dem Feld, die Wahrscheinlichkeit dafür hängt unter anderem von der Witterung ab.
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Kritik an zu viel Salz in Frühstückflocken im Test

Es sind nicht nur Schadstoffe, die wir häufiger in Lebensmitteln kritisieren. Auch hohe Salzdosen sind aus unserer Sicht nicht erwünscht. Zehn Frühstücksflakes enthalten – nach ÖKO-TEST-Kriterien – zu viel Salz. Mit mehr als 1,6 Gramm pro 100 Gramm liegen ihre Salzanteile höher als die der meisten Tiefkühlsalamipizzen! In Finnland müssen solche Frühstückscerealien einen Warnhinweis tragen. In Deutschland setzt die Politik darauf, dass die Hersteller den Salzgehalt von Lebensmitteln freiwillig reduzieren.

Dauerhaft viel Salz erhöht das Risiko für Bluthochdruck und damit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt deshalb, nicht mehr als höchstens sechs Gramm Salz pro Tag zu essen. Die Zuckergehalte hingegen bewegen sich im Rahmen und liegen zwischen weniger als einem Gramm in ungesüßten Produkten und 11,9 Gramm pro 100 Gramm in den Kellogg’s Special K Classic.

Welche Frühstücksflocken sind gesünder?

Und gibt es aus ernährungsphysiologischer Sicht Unterschiede zwischen den Cornflakes im Test? Vergleichsweise etwas vorteilhafter sind Flocken, die wenig Salz und wenig Zucker, aber viele Ballastoffe aus Vollkornzutaten enthalten. Das spiegelt sich auch in der Einstufung der Produkte im Nutri-Score wider, den wir ausgerechnet haben und in der Tabelle mit angeben – ein A entspricht der besten Wertung.

Mit dem Nutri-Score können Hersteller ihre Produkte kennzeichnen; er soll einen Vergleich ermöglichen, ist aber nicht verpflichtend. Die Skala unserer Berechnungen reicht von A bis D.

Cornflakes essen: Das rät ÖKO-TEST

Wir haben drei Tipps für Sie:

  1. Frühstücksflocken mit möglichst wenig Acrylamid wählen. Je weniger man davon aufnimmt, desto besser.
  2. Dass der Nutri-Score für viele Produkte die beste Wertung A ergibt, zeigt die Grenzen dieses Modells: Die getesteten, ungezuckerten Cornflakes sind in Ordnung, aber kein ausgewogenes Frühstück für jeden Tag.
  3. Cornflakes schmecken auch als knuspriger Zusatz zu gesunden Haferflocken mit Obst und Nüssen oder (Soja-)Joghurt.
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Quelle und Bildrechte: Ökotest

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