Die Verschuldeten der Zukunft sind älter und weiblich

Seit 2014 steigt die Überschuldungsquote hierzulande immer weiter an. Auch in diesem Jahr ist sie wieder gewachsen – um 0,3 Prozent. Das zeigt der aktuelle Schuldneratlas 2018. Die Studie gibt aber auch einen Ausblick gen Zukunft. Demnach sind die Schuldner der Zukunft vor allem weiblich und älter.

Die Überschuldung von Privatpersonen in Deutschland ist seit 2014 zum fünften Mal in Folge angestiegen. Die Überschuldungsquote bleibt nahezu konstant, da die Bevölkerung durch Zuwanderung und Migration nochmals leicht zugenommen hat. Zum Stichtag 1. Oktober 2018 wurde für Deutschland eine Überschuldungsquote von 10,04 Prozent gemessen, wie der Schuldneratlas des Inkassounternehmens Creditreform zeigt. Das macht ein Plus von 0,3 Prozent im Vergleich zu 2017.

Erstmals seit 2006 beruht der aktuelle Anstieg der Überschuldungszahlen ausschließlich auf einer Zunahme der Fälle mit geringer Überschuldungsintensität. Ihre Zahl nahm in den vergangenen zwölf Monaten um rund 106.000 Fälle zu (ein Plus von 3,9 Prozent), während die Zahl der Fälle mit juristischen Sachverhalten um rund 87.000 Fälle abnahm (ein Minus von 2,1 Prozent). Weiterhin verbleiben rund 4,13 Millionen Menschen in Deutschland in einer dauerhaften Überschuldungsspirale. Zum Vergleich: Das sind 735.000 mehr Fälle als noch 2006.

Die Schuldner der Zukunft sind älter und weiblich

Der Schuldneratlas hat auch einen Blick in die Zukunft gewagt. Demnach werden vor allem Ältere und Frauen von Überschuldung betroffen sein. Hier die Zahlen: In diesem Jahr können in Deutschland rund 7,65 Prozent der Frauen über 18 Jahre (2017: 7,61 Prozent) als überschuldet und zumindest nachhaltig zahlungsgestört gelten. Bei Männern sind dies aktuell 12,55 Prozent (2017: 12,59 Prozent). Die Zahl der Überschuldungsfälle nahm bei den Frauen weiter merklich zu (2,7 Millionen; also ein Plus von 21.000 Fällen), bei den Männern nahm sie minimal ab (4,2 Millionen; also ein Minus von  2.000 Fällen).

Und auch das Thema Altersüberschuldung scheint immer mehr eine wichtige Rolle zu spielen. 2018 müssen rund 263.000 Menschen in Deutschland ab 70 Jahren als überschuldet eingestuft werden (+ 69.000 Fälle;
+ 35 Prozent). Die entsprechende Überschuldungsquote (2,04 Prozent; + 0,54 Punkte) liegt weiterhin unter den Vergleichswerten der anderen Altersgruppen.

Interessant: Es gibt einen Unterschied zwischen West- und Ostdeutschland

Die Überschuldungsquote liegt aktuell in den neuen Bundesländern (10,40 Prozent) zum siebten Mal in Folge (wie auch bis 2008) über dem Vergleichswert im Westen (9,98 Prozent). Insgesamt sind in diesem Jahr im Westen rund 5,82 Millionen Personen als überschuldet zu betrachten, im Osten Deutschlands sind es rund 1,11 Millionen Personen.

Der Grundtrend hat sich allerdings umgekehrt. Denn: Während im Osten die Überschuldungsfälle immer weniger werden (- 8.000 Fälle), steigt die Zahl im Westen. Hier sind 27.000 neu hinzugekommen.

Die Macher der Studie gehen zudem nicht davon aus, dass sich die Überschuldungslage in naher Zukunft bessern wird. Nicht nur für die nächsten Monate könne daher von einer weiteren Zunahme der Überschuldungszahlen in Deutschland ausgegangen werden, heißt es da.

Vielen Dank an die Pfefferminzia

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