Auslandsreiseschutz

Auslandsreisen – welcher Versicherungsschutz ist notwendig?

Vor einer Reise möchte niemand an Krankheit, Unfälle, Gepäckdiebstahl, Reiseabbruch oder Streit mit dem Reiseveranstalter denken. Ohne ausreichenden Versicherungsschutz kann der Traumurlaub aber schnell zum Albtraum werden.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Auslandsreise-Krankenversicherung ist im Urlaub der wichtigste Schutz. Prüfen Sie bei längeren Aufenthalten unbedingt die Dauer des Versicherungsschutzes Ihrer Privathaftpflichtversicherung für Auslandsreisen.
  • Eine Reiserücktrittsversicherung und/oder Reiseabbruchversicherung kann bei teuren Reisen oder beim Urlaub mit Kindern sinnvoll sein.
  • Eine Reisegepäckversicherung ist in der Regel verzichtbar. Auch Rundum-sorglos-Pakete und Reisehaftpflicht- sowie Reiseunfallversicherung brauchen Sie in der Regel nicht.
  • Bei Auslandsreisen mit dem eigenen Auto ist ein Schutzbrief sehr wichtig – auch schon im Nachbarland. Wer beim ADAC ist, braucht ihn aber in der Regel nicht.
  • Wer im Ausland einen Mietwagen fährt, sollte bei den Versicherungen aufpassen.

Warum Sie den Versicherungsschutz möglichst früh klären sollten

Versicherungsschutz können Sie zwar auch noch kurz vor Reiseantritt – quasi last minute – abschließen. Die Stiftung Warentest hat allerdings Angebote verschiedener Online-Portale getestet – mit durchwachsenen Ergebnissen. Wer zur Reise online gleich eine Versicherung abschließt, bekomme meist nicht den optimalen Versicherungsschutz.

  • Die Online-Buchungsportale vermitteln Pakete, die mehrere Versicherungen enthalten. So schließen Sie nicht nur eine Auslandskrankenversicherung ab, sondern bezahlen zusätzlich für weitere Versicherungen, die Sie eventuell gar nicht brauchen. Eine reine Auslandskrankenversicherung hat die Stiftung Warentest im Jahr 2017 bei keinem der neun getesteten Online-Anbieter gefunden.
  • Die Verträge verlängern sich oft automatisch und können dabei auch teurer werden. Teilweise hat sich der Preis im zweiten Jahr fast verdoppelt.
  • Die Stiftung Warentest hat Versicherungen mit hohen Selbstbeteiligungen gefunden. Im Schadensfall zahlen Sie dann kräftig mit.
  • Meist ist außerdem auf jedem Online-Portal nur ein Versicherungsanbieter vertreten. Sie haben also keine Auswahl unter den Produkten, die es sonst am Markt gibt.

Statt eines Abschlusses auf gepacktem Koffer empfiehlt sich also ein gründlicher Preis-Leistungs-Vergleich von mehreren Versicherungsangeboten. Nehmen Sie sich dafür am besten eine Weile vor der Reise ausreichend Zeit.

Unverzichtbar: Gilt die Privat-Haftpflichtversicherung auch im Ausland?

Haftungsrisiken bergen ein enormes Schadenspotenzial. Wer einem anderen einen Schaden zufügt, muss dem Opfer Schadenersatz leisten. Ein Haftpflichtfall kann in die Millionen gehen und damit Ihre wirtschaftliche Existenz bedrohen. Die Privat-Haftpflichtversicherung ist darum die wichtigste Versicherung.

Vor dem Urlaub stellt sich aber die Frage: Gilt Ihre Versicherung auch im Ausland?

Im Urlaub können außerdem zusätzliche Haftungsrisiken bei Hotelzimmern oder Ferienwohnungen / Ferienhäusern entstehen. Überprüfen Sie daher, ob sich der bestehende Versicherungsschutz auf das Urlaubsziel erstreckt.

Viele Privathaftpflichtversicherungen gelten bei einem Auslandsaufenthalt von nicht mehr als einem Jahr weltweit. Ein Blick in den Versicherungsvertrag sollte zuvor aber zur Sicherheit erfolgen.

Unverzichtbar: Eine private Auslandsreise-Krankenversicherung

Wer den Urlaub im Ausland verbringt, sollte unbedingt eine private Auslandsreise-Krankenversicherung abschließen. Sind Sie über die gesetzliche Krankenkasse versichert, ist das noch wichtiger als für privat Versicherte.

In bestimmten Fällen wichtig: Reiserücktrittskosten- und Reiseabbruchversicherung

Urlaubsreisen werden oft lange vor dem Reisetermin gebucht. In der Zwischenzeit kann viel passieren. Falls Sie die Reise dann nicht oder erst verspätet antreten können, müssen Sie dem Reiseveranstalter, dem Reisebüro oder dem Hotelier die Stornokosten bezahlen. Auch kann es passieren, dass eine Reise vorzeitig abgebrochen oder auch ungeplant verlängert werden muss.

Eine Reiserücktrittskostenversicherung in Kombination mit einer Reiseabbruchversicherung springt in solchen Fällen ein. Der Versicherer zahlt die Reiserücktritts- bzw. Stornokosten, bei einem Reiseabbruch etwa Umbuchungskosten sowie nicht in Anspruch genommenen Reiseleistungen. Wenn Sie die Reise erst verspätet antreten, erstattet er Nachreisekosten, also zum Beispiel einen Ersatzflug. Achtung: Das tut er allerdings nur bis zur Höhe der Stornokosten, die anfallen würden, wenn Sie die Reise gar nicht antreten.

Außerdem zahlt eine Reiserücktrittskostenversicherung oder Reiseabbruchkostenversicherung, falls Sie einen schweren Unfall haben oder im Urlaub krank werden und den Aufenthalt deshalb verlängern müssen.

Unter den Versicherungsschutz der Reisrücktrittskosten- und Reiseabbruchversicherung fallen also folgende Risiken:

  1. der Nichtantritt einer Reise
  2. der verspätete Antritt einer Reise
  3. der vorzeitige Abbruch einer Reise
  4. die verspätete Rückkehr von einer Reise
  5. die Nichtinanspruchnahme von Reiseleistungen (z.B. Mietwagen, Safari usw.)

Versicherte Rücktritts- oder Reiseabbruchgründe können sein:

  • Todesfälle in der Familie (beachten Sie, wie weit entfernte Verwandten der Versicherer darin einschließt!)
  • schwere Unfallverletzungen
  • unerwartete schwere Erkrankung
  • unvorhersehbare Komplikationen bei einer Schwangerschaft oder Impfunverträglichkeit
  • Bruch von Prothesen und Lockerung von implantierten Gelenken
  • Organspende oder -empfang
  • erhebliche Schäden am Eigentum der versicherten Person durch zum Beispiel Feuer oder strafbare Handlungen Dritter
  • Verlust des Arbeitsplatzes aufgrund einer unerwarteten betriebsbedingten Kündigung
  • Aufnahme eines Arbeitsverhältnisses nach Arbeitslosigkeit
  • Wiederholungsprüfungen für Schüler und Studenten, die in die versicherte Reisezeit fallen

Der Versicherer zahlt bis zur vertraglich vereinbarten Versicherungssumme, oft abzüglich einer vereinbarten Selbstbeteiligung. Diese kann bis zu 20 Prozent der Stornokosten betragen. Achten Sie also darauf, dass Sie Tarife ohne Selbstbehalte wählen.

Versichert sollten nicht nur die Reisenden sein, sondern auch “Risikopersonen”. Risikopersonen sind zum einen Mitreisende und zum anderen nahe Verwandte. Dies können je nach Versicherungsbedingungen folgende Personen sein:

  • Ihr Ehepartner / Lebensgefährte
  • Ihre Angehörigen
  • die Angehörigen Ihres Ehepartners / Lebensgefährten
  • Enkelkinder
  • Personen, die nicht mitreisende minderjährige oder pflegebedürftige Angehörige betreuen

Alle diese Personen sind je nach Vertrag mit durch die Versicherung geschützt.

Wenn es vor einer geplanten Reise Probleme gibt und Sie die Versicherung in Anspruch nehmen wollen, müssen Sie dies dem Versicherungsunternehmen unverzüglich mitteilen und gleichzeitig die Reise stornieren. Die Versicherung wird Nachweise zu den Gründen von Ihnen verlangen (z.B. ein ärztliches Attest zum Nachweis der Krankheit, eine Sterbeurkunde beim Tod eines Verwandten).

Der Beitrag für eine Reisetritts- bzw. Reiseabbruchversicherung hängt vom Reisepreis und dem Leistungsumfang und – in den meisten Tarifen – vom Alter des Versicherten ab.

Bei mehreren Reisen im Jahr lohnt ein Jahresvertrag. Dann ist jede einzelne Reise im Jahr bis zum versicherten Reisepreis abgesichert.

Für Familien ist der Abschluss eines Familienjahresvertrages zu empfehlen. Versicherungsschutz besteht dann auch für einzelne Familienmitglieder, wenn sie allein Reisen.

In bestimmten Fällen wichtig: Erweiterung Kfz-Haftpflichtversicherung und Autoschutzbrief für Reisen mit dem eigenen Fahrzeug

Wer mit dem eigenen Auto unterwegs ist, hat in der Kfz-Haftpflichtversicherung Versicherungsschutz in Europa im geographischen Sinn und in den außereuropäischen Gebieten, die zum Geltungsbereich der Europäischen Union gehören (z.B. Kanarische Inseln). Ob darüber hinaus Versicherungsschutz besteht, ist von Versicherer zu Versicherer unterschiedlich. Wer also mit dem eigenen Auto weit fährt, sollte bei seinem Kfz-Versicherungsunternehmen nachfragen, ob und wie weit der  Versicherungsschutz anzupassen ist. Zudem sollte die sogenannte Grüne Karte und auch der „Europäische Unfallbericht“ im Gepäck sein.

Eine Panne oder ein Unfall auf der Autobahn oder ein Diebstahl des Fahrzeugs im Ausland – die Liste der möglichen Schadenfälle auf der Fahrt in den Urlaub ist lang.

Mit dem Autoschutzbrief bieten die Versicherer Unterstützung bei Panne, Unfall, Diebstahl, Krankheit, Verletzung oder Tod. Der Versicherer organisiert und bezahlt dann eine ganze Reihe von anfallenden Kosten.

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Roland Richert
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